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Bioeier kaufen: Das Gelbe vom Ei?

Deutsche essen gerne Eier: 2019 aßen wir im Durchschnitt 236 Stück pro Person.1 Bei solcher Beliebtheit ist es besonders wichtig, wohlüberlegte Kaufentscheidungen zu treffen. In Deutschland gibt es vier zugelassene Haltungsformen. Ein Überblick über ein komplexes Thema.

Woher kommt das Ei?

Die Bundesanstalt für Landwirtschaft und Ernährung veröffentlicht jährlich einen Bericht zur Markt- und Versorgungslage bei Eiern. Der aktuelle, von 2020, bezieht sich auf Zahlen aus dem Jahr 2019. Er berücksichtigt Betriebe mit Ställen über 3.000 Haltungsplätzen. Mobilställe, die in der Regel weniger haben, fehlen in der Erfassung.2

Ökologische Erzeugung

Die Kennzeichnung von frischen rohen Eiern ist in der EU einheitlich geregelt. Bioeier erkennst du an der 0 zu Beginn des Kennzeichnungscodes auf den Eiern. Darauf folgt das Kürzel des Produktionslandes, DE für Deutschland, danach das des Produzierenden. In Deutschland wird die ökologische Haltung von Legehennen sukzessive ausgebaut und machte zuletzt 11,6 Prozent aus. Pro Quadratmeter Stallgrundfläche sind sechs Hennen erlaubt. Sie haben uneingeschränkt Auslauf, vier Quadratmeter pro Vogel. Die Fütterung erfolgt mit Futtermitteln aus ökologischer Erzeugung. 

Zu beachten ist, dass in der ökologischen Haltung nur 3.000 Hennen in einem Stall leben dürfen. Allerdings ist es zulässig, mehrere Stalleinheiten nebeneinander zu bauen. Die Haltungskapazität des Betriebs vervielfacht sich. Tierschutzorganisationen kritisieren dies, da Vermassung konträr zum Tierwohl steht.

 

Weitere Haltungsformen

Auch die Freilandhaltung mit der Ziffer 1 wurde ausgebaut (19,6 Prozent). Die Hennen haben tagsüber Auslauf. Pro Quadratmeter Grundfläche können neun Hennen gehalten werden. Sie erhalten konventionelles Futter.

Die Bodenhaltung, 2, ist mit 61,9 Prozent die dominierende Haltungsform in Deutschland. Sie findet in einem Stall ohne Auslauf statt. Die Hennen können sich frei im Stall bewegen. Pro Quadratmeter Fläche sind neun Tiere erlaubt. Der Stall kann bis zu vier Ebenen haben. Die Anzahl darf 18 Vögel pro Quadratmeter Grundfläche nicht übersteigen.

Die Kleingruppenhaltung  in Volieren, als Nummer 3 der Eierkennzeichnung, macht den Rest aus. Sie sinkt jedes Jahr. Eine Gruppe umfasst zwischen 20 und 60 Vögeln.

Die Details der Haltungsformen findest du hier

 

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Foto von Karim Manjra auf unsplash.com

Das Geschlecht der Küken

Ein wichtiger Aspekt der Eierproduktion ist die Zucht der Legehennen. Seit Jahren steht das Töten geschlüpfter männlicher Küken in der Kritik. Zuletzt waren es rund 45 Millionen jährlich in Deutschland. Ob Bioeier oder konventionelle: Es findet bei allen Haltungsformen Anwendung. Doch endlich ändern sich die Umstände. Neue technische Verfahren machen es möglich. Dank ihnen kann in den ersten Bruttagen das Geschlecht des sich entwickelnden Kükens bestimmt werden. Männliche können aussortiert werden. Selbst Discounter sehen sich in der Pflicht.3 Bis Ende 2021 soll das Kükentöten in Deutschland beendet sein. 

Invasive Methode

Noch ist unklar, welches Verfahren sich durchsetzt. Invasiv lässt sich das Geschlecht per Raman-Spektroskopie ermitteln, da sich die Lichtstreuung bei den Geschlechtern unterscheidet. Dafür muss ein Laser ein kleines Loch in das Ei bohren. Das Loch wird hinterher wieder verschlossen. Obwohl der Vorgang nur wenige Sekunden dauert, könnten Bakterien eintreten.4

Nichtinvasive Methode

Auch bieten Tomografien die Möglichkeit, das Geschlecht zu erkennen. Allerdings beruht diese Analyse auf Algorithmen. Ihre Genauigkeit reicht bislang noch nicht aus, so dass die Methode aktuell nicht marktfähig ist.5

Foto von Sarah Schulz

Das Ei als Zutat

Bei mit Ei verarbeiteten Produkten fällt die Kennzeichnungspflicht wegDies betrifft Haltungsform wie Produktionsland. Findet die Verarbeitung aller Zutaten in Deutschland statt, handelt es sich um ein „deutsches“ Produkt.6 Es besteht die Möglichkeit, dass Eier aus Käfighaltung aus Ländern außerhalb der EU enthalten sind.

Mittlerweile tragen Produkte wie Mayonnaise oder Fertigkuchen gelegentlich einen Vermerk zur Haltungsform. Bei konventionellen Produkten ist dies (fast) immer die Bodenhaltung. Findet sich kein Vermerk, stammen die Eier in der Regel aus Kleingruppenhaltung. In Bioprodukten sind Eier aus ökologischer Erzeugung.


Die Kaufentscheidung

Du kannst deine Kaufentscheidung auf Basis des Tierwohls treffen. Doch die generell sinnvolle Kennzeichnung kann täuschen. Beispielsweise erfüllen Betriebe, die das Siegel der EG-Öko-Verordnung tragen, oft nur Mindestanforderungen. Die Kriterien von Verbänden wie Naturland, Bioland, Demeter sind strenger.

Der Idealfall ist, wenn du Eier auf einem regionalen, dir bekannten Hof kaufst. Dort kannst du dir dein eigenes Bild von der Haltung machen. Zukünftig bieten wir Erzeuger*innenprofile an, die dir einen Einblick in die Produktion gewähren.

Auch die Häufigkeit deines Eikonsums und damit verbundene Kosten sowie schlicht die Versorgungslage können deine Kaufentscheidung beeinflussen. Bioeier sind somit nicht automatisch und für jede*n „das Gelbe vom Ei“. Wichtig ist, dass du die Unterschiede kennst, abwägst und eine bewusste Entscheidung triffst.

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1 Kommentar zu „Bioeier kaufen: Das Gelbe vom Ei?“

  1. Wenn einem das Tierwohl wichtig ist, kommt man nicht darum herum, sich einen Hof des Vertrauens zu suchen…Alles gut…, ebenso wichtig ist, dass das Schreddern der männlichen Küken endlich per Gesetz verboten wird.

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