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Zum Internationalen Frauentag

Ausbeutung in der Landwirtschaft

Am 8. März ist Internationaler Frauentag. 1911 eingeführt und seit 1921 an diesem Tag begangen, ging und geht es um die Gleichberechtigung und Gleichstellung der Frau. Beispielsweise führten die meisten Staaten erst nach 1911 das Frauenwahlrecht, eine zentrale Forderung, ein.1 Vielerorts verbesserten sich die Umstände für Frauen im letzten Jahrhundert. Doch auch heute ist es weiterhin notwendig, sich aktiv und explizit für Emanzipation und die Gleichbehandlung aller Geschlechter einzusetzen. Die Idee der Vormachtstellung des Mannes, sei es in der Gesellschaft oder Familie, ist nicht zeitgemäß.

Tatort Feld

Im beruflichen Umfeld betrifft die Benachteiligung von Frauen besonders die Lohn- und Rentengerechtigkeit, Aufstiegschancen und den Zugang zu Führungspositionen sowie die Vereinbarkeit von Familie und Karriere. Sexismus und Gewalt sind große Probleme. Ein Beispiel ist die Situation in der konventionellen Landwirtschaft.

2018 veröffentlichte das gemeinnützige Journalismusprojekt CORRECTIV in Kooperation mit dem RTL Nachtjournal und BuzzFeed News eine dreiteilige, aufwendig recherchierte Reportage zu den Arbeitsverhältnissen von Frauen, die für den europäischen Markt Feldarbeit leisteten – auf Farmen in Spanien, in Italien und Marokko.2 Darin wurden ihre alltäglichen Arbeitsbedingungen offengelegt. Diese waren geprägt von Ausbeutung jeglicher Art – zu viele Arbeitsstunden, zu wenige Pausen, sexuelle Übergriffe durch männliche Aufseher und Landbesitzer …

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Tod bei Weinlese

2015 starb eine 49-jährige Arbeiterin in einem italienischen Weingarten bei Hitze an HerzversagenIm folgenden Jahr weitete Italien die Haftbarkeit von Landbesitzenden aus. Daraufhin kam es zur Verhaftung von sechs Personen, die beruflich mit der Toten in Verbindung standen. Die Vorwürfe gegen sie lauteten: Ausbeutung, illegale Vermittlung und Betrug. Es habe sich um fahrlässige Tötung gehandelt.

Der Prozess gegen den Besitzer des landwirtschaftlichen Betriebs begann Mitte Februar 2021. Das Urteil steht noch aus.3

Ausbeutung von Migrantinnen

Das Todesopfer war Italienerin, zumeist stammen Saisonarbeiter*innen und Erntehelfer*innen aber aus dem Ausland. Auf deutschen Feldern arbeiten häufig Menschen aus Rumänien und Bulgarien. In südeuropäischen Ländern sind es vielfach auch Menschen aus nordafrikanischen Staaten.

CORRECTIV berichtete des Weiteren von Gastarbeiterinnen auf südspanischen Anbauflächen. Eine für die Genehmigung von Abtreibungen zuständige Sozialarbeiterin erklärte, dass es während der Saison im örtlichen Gesundheitszeitrum zu einem auffälligen Anstieg von Abtreibungen komme. Mehrheitlich würden sie von ausländischen Arbeiterinnen beantragt. Die Vermutung, dass, ein Großteil der Schwangerschaften aus Vergewaltigungen resultiere, liege nahe.

Dass solche Fälle selten angezeigt werden, liegt unter anderem an sprachlichen Barrieren und fehlender Unterstützung vor Ort. Auch ein fehlender legaler Aufenthaltsstatus kann ein Grund sein. Erfolgt eine Anzeige, passiert häufig trotzdem nichts.

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Foto von Sarah Schulz

Handlungsstrategien für den Alltag

Während wir gegen die Arbeitsbedingungen an sich kaum aktiv vorgehen können, haben wir beim Kauf (landwirtschaftlicher) Erzeugnisse die Wahl, uns für faire Produkte zu entscheiden. Kaufen immer mehr Menschen faire Produkte , erhöhen wir den Druck auf konventionelle Betriebe. Das kann dazu führen, dass sie die Bedingungen dem Anspruch der Verbrauchenden anpassen.

● Handelssiegel

Wenn wir auf Handelssiegel wie Fairtrade, GEPA fair+, Naturland fair et cetera achten, machen wir zunächst einmal etwas richtig. Die zertifizierten Betriebe achten auf gute Arbeitsbedingungen für die Mitarbeitenden und kostendeckenden Lohn. Kinderarbeit sowie diskriminierende Praktiken sind verboten. Immer wieder kommt, auch gerechtfertigte, Kritik an all den verschiedenen Siegeln auf. Dennoch gelten sie als vertrauenswürdig. Zu beachten ist allerdings, dass Handelssiegel nicht direkt etwas über ökologische Anbaukriterien aussagen. Sie werden aber oft berücksichtigt.4 Umgekehrt sagen Bioqualitätssiegel nicht per se etwas über die Arbeitsbedingungen in den Betrieben aus. Doch oft wird hohe soziale Verantwortung für die Mitarbeitenden übernommen.

● Frauen-Kooperativen

Eine weitere Möglichkeit ist die Unterstützung von Frauen-Kooperativen, die in Afrika, Asien und Südamerika präsent sind. Sie stärken die Stellung der Frau innerhalb ihrer Familie und der Gesellschaft – durch gerechte Entlohnung, soziale Absicherung, Weiterbildung.5 Produkte solcher Kooperativen finden sich in Biomärkten. Meistens gibt es auf der Verpackung eine kurze Vorstellung mit ihren Zielen und Werten.

● Regionalität

Kaufen wir regional, bei einem uns bekannten Hof, haben wir teilweise die Möglichkeit, uns von den (Arbeits-)Bedingungen vor Ort unser eigenes Bild zu machen. Dies ist, besonders beim Kauf von saisonalen Produkten, eine kostengünstige Option, persönlich einen Unterschied für Mensch und Umwelt zu machen.

Unterstützung nicht nur am Frauentag

Der Internationale Frauentag ist eine gute Gelegenheit, sich der Probleme von Frauen beziehungsweise als Frauen gelesenen Menschen, die im Patriarchat diskriminiert werden, überall auf der Welt in seinen Einzelheiten bewusst zu werden. Es ist jedoch eine tägliche Aufgabe, Missstände zu verurteilen und zu bekämpfen. Mit unseren Kaufentscheidungen können wir einen positiven Einfluss in diese Richtung ausüben.

 

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